Dienstag, 3. März 2009

Ein Buch für Spanner

Vor knapp einer Woche hatte ich es endlich hinter mir. Der Mammutwälzer Der Turm von Uwe Tellkamp konnte endlich zur Seite gelegt werden. Knapp 4 Monate nach Kaufdatum war das Buch endlich ausgelesen. Gekauft hatte ich das 900-irgendwas-Seiten Werk, nachdem das Gedöns um den Träger des deutschen Buchpreises 2008 unüberhörbar wurde. Und weil einige meinten, es gebe einen guten Einblick in das Leben in der DDR der 80er.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass sich auch die Literaturszene irren kann. Germanistik studiere ich nicht nur weil es mir liegt. Sondern auch weil ich mich gerne mit Büchern befasse. Doch je mehr man Bücher von diesem sogeannten "Bildungskanon" liest, umso öfters stellt sich einem doch die Frage: Wer überprüft bitteschön diese Literatur? Ich weiß schon, Literaten und Literaturwissenschaftler erheben Werke über Diskurse und einen anschließenden Konsens in den Kanon. Doch warum sollen nicht auch sie einer Überbewertung, Vorschusslorbeeren und Irrtümern zum Opfer fallen?

Der Turm wurde schon gleich bei Erscheinen als Standardwerk gepriesen. Die verwendete Sprache ist bewusst literarisch. Endlose Sätze, ein Wortschatz der aus dem gesammten Wahrig besteht, ein Thema das die intellektuelle Szene immer wieder fesselt - und fertig ist die Literatur? Der Turm ist bescheiden. Die Sätze sind teilweise haarsträubend, die Fremdwörter sollen bewusst das scheinbare Niveau vorgaukeln. Nicht einmal die Fachwelt ist sich einig: Bildungs- oder Gesellschaftsroman? Weder noch. Ein kalkuliertes Werk. Und die gesamte Literaturszene fällt drauf rein. Sie preist, lobt, ja besingt das Buch. Vergisst dabei aber sich selbst zu hinterfragen. Sie fällt einer geschickten Marketingstrategie zum Opfer. Und letztlich auch sich selbst. Denn auch die Literaturszene ist geprägt vom Verlangen, vom Dürsten nach dem nächsten heißen, pardon, Scheiß. Was Der Turm sicherlich nicht ist. Landschaftsbeschreibungen, welche schon Agatha Christie spannender schreib. Möchtegernwiderspiegeln der inneren Gefühle in der Landschaft. Die Liste der Einbrüche in kulturelles Gebiet (ich zitiere Kraus) ist endlos. Denn nicht einmal die Darsteller sind überzeugend. Natürlich will der Leser wissen wie sich die Hauptpersonen entwickeln. Triebfeder ist aber nicht das gräßliche Ausmaß der bzw. der Umgang mit den persönlichen Schicksalen (die es ja, ich untertreibe, durchaus in der DDR gab), nein, der Leser will einfach nur eine primitive, perverse Neugier befriedigen. Ein Buch für Spanner. Das Gleiche kann man allerdings auch tun, indem man sich während einer Stunde Big Brother reinzieht. Einen Totenschläger wie Der Turm braucht es dafür nicht.

1 Kommentare:

Magda Geisler hat gesagt…

Sehr einverstanden, ich lästere seit Monaten gegen das Werk.

Allerdings finde ich auch noch, dass für Tellkamp das Leben in der DDR nichts ist als ein Versatzstücklager. Sicher, er kennt die DDR, ist dort aufgewachsen, aber seine - nach der Wende entdeckte - Gegnerschaft trägt er so penetrant vor sich her, dass ich mich graule.

Eine Ansammlung von misslungenen Stilübungen.

Grüße